Wenn du dich entschieden hast, deinen Blog, Youtube-Kanal oder Instagram-Account zu monetarisieren und dafür ein Gewerbe anzumelden, dann musst du dich zuerst einmal für die richtige Rechtsform deines Gewerbes entscheiden.

Ob du ein Gewerbe anmelden musst, wenn du planst jetzt oder in Zukunft mit deinem Projekt Geld zu verdienen, erfährst du im Beitrag [Muss ich als Blogger/Youtuber/Influencer ein Gewerbe anmelden?].

In diesem Beitrag möchte ich ein paar Rechtsformen vorstellen, die häufig gewählt werden und die ich grundsätzlich für geeignet halte.

Werbung
Keine Chance für Abmahner Shop oder Webseite rechtlich absichern. Rechtstexte, Praxis-Tools, Know-How und Beratung. Komplettpaket für Webseitenbetreiber
Kleingewerbe gründen: Schritt für Schritt Nebenberuflich selbstständig machen und die richtigen Entscheidungen für die Existenzgründung treffen. Taschenbuch oder E-Book

Entscheidende Fragen für die Wahl der Rechtsform

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Rechtsformen für Unternehmen in Deutschland. Die einen sind mehr, die anderen weniger gut für angehende Internetunternehmer und Unternehmerinnen geeignet. Vor der Gründung sollte man sich vor allem um folgende Punkte Gedanken machen.

Eigenkapital

Wie viel Geld willst du bei der Gründung in dein Unternehmen stecken. Ein Einzelunternehmen kann ganz ohne Stammkapital gegründet werden. Die einzigen Kosten die für die Gründung eines Einzelunternehmens entstehen sind die Gebühren der Gewerbeanmeldung. Diese betragen normalerweise nicht mehr als 50€. Für die Gründung einer GmbH sind hingegen mindestens 25.000 € Mindestkapital erforderlich. Zusätzlich zu Register-, Notar- und Anwaltsgebühren.

Haftung

Wie soll die Haftung geregelt werden. Bei einer Kapitalgesellschaft ist die Haftung auf das Gesellschaftskapital begrenzt. Bei einem Einzelunternehmen oder einer Personengesellschaft haftest du, bzw. ihr unbegrenzt mit eurem Privatvermögen.

Das klingt allerdings schlimmer als es in den meisten Fällen ist. Denn auch im Privatleben haftet ihr für euer Handeln unbeschränkt mit eurem Privatvermögen. Trotzdem läuft deshalb niemand völlig verängstigt durch die Gegend.

Wie groß das Risiko ist, hängt natürlich maßgeblich davon ab, was für ein Unternehmen ihr betreibt. Das Risiko mit einem Blog oder Youtube-Kanal einen großen finanziellen Schaden anzurichten ist sicher überschaubar. Wenn ihr eine Spedition für Gefahrguttransporte betreibt, dann ist es wahrscheinlich empfehlenswert eine Gesellschaftsform zu wählen, bei der die Haftung beschränkt ist.

In jedem Fall kann das Haftungsrisiko durch den Abschluss einer passenden Versicherung weiter reduziert werden.

Ihr müsst außerdem bedenken, dass für die Gründung einer GmbH mindestens 25.000 € eingebracht werden müssen, mit denen die GmbH natürlich haftet. D.h. im Ernstfall bringt euch die GmbH erst ab einem Schaden über 25.000€ einen Vorteil. Einen solchen Schaden müsst ihr mit einem Blog erst einmal verursachen. Eine UG kann mit weniger Kapital gegründet werden, dafür hat man den Nachteil, dass jährlich 25% des Gewinns in die Rücklagen eingestellt werden müssen, bis 25.000€ erreicht sind.

Interessanter wird die Haftungsfrage wenn ihr mit anderen Personen zusammen ein Unternehmen gründen wollt. Wenn ihr eine Personengesellschaft gründet, dann haftet ihr alle gemeinsam mit eurem Privatvermögen. Das bedeutet, im Zweifel musst du mit all deinem Vermögen für den Fehler geradestehen, den dein Mitgründer oder Mitgründerin verursacht hat.

Für die Gründung mit mehreren Personen kann daher die Gründung einer Kapitalgesellschaft deutlich attraktiver sein als bei einer Einzelgründung.

Buchhaltung & Steuererklärung

Willst du deine Buchhaltung selbst erledigen, oder soll das ein Steuerberater machen?

Als Einzelunternehmen, insbesondere mit Kleinunternehmerregelung, kann man die Buchhaltung mit ein bisschen Einarbeitung leicht selber machen. Auch wenn man diese von einem Steuerberater erledigen lässt, ist dies deutlich günstiger, als wenn man eine Kapitalgesellschaft gründet, da der Aufwand für den Steuerberater natürlich auch geringer ist.

Wenn du eine Kapitalgesellschaft gründest, wirst du um einen Steuerberater nicht herum kommen.

Einzelunternehmen

Ein Einzelunternehmen ist einfach und ohne große bürokratische Hürden und Kosten zu gründen. Einzelunternehmen bedeutet jedoch nicht, dass du alleine arbeiten musst. Du kannst Angestellte haben und deiner Unternehmensgröße sind auch als Einzelunternehmen keine Grenzen gesetzt.

Aber bei einem Einzelunternehmen bis du das Unternehmen. Dementsprechend steht auch dein Name auf einer Rechnung und Geschäftsbriefen und kein Firmenname wie z.B. Robert Bosch GmbH.

Einzelunternehmen gibt es in verschiedenen Ausprägungen.

Einzelunternehmen freiberuflich

Unter bestimmten Umständen kannst du als Freiberufler(in) arbeiten. Damit einher gehen einige steuerliche und bürokratische Erleichterungen. Beispielsweise musst du keine Gewerbesteuer zahlen und wirst nicht zwangsweise IHK-Mitglied.

Unter welchen Umständen du freiberuflich arbeiten kannst, wird auch im Beitrag [Muss ich als Blogger/Youtuber/Influencer ein Gewerbe anmelden?] diskutiert. Im Zweifel entscheidet das Finanzamt.

Haftung: Mit Privatvermögen
Eigenkapital: Kein Mindestkapital erforderlich
Handelsregistereintrag: Nein
Buchführung: EÜR, unabhängig von Umsatz oder Gewinn

Einzelunternehmen gewerblich (Kleingewerbe)

Dies dürfte die am häufigsten gewählte Rechtsform für Einzelgründer und Gründerinnen sein. Neben der einfachen, schnellen und kostengünstigen Gründung hat diese Rechtsform den Vorteil, dass die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden. Damit verringert sich der buchhalterische Aufwand weiter.

Wenn du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst, dann musst du keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben. Dafür darfst du auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen und auf deinen Rechnungen darfst du keine Umsatzsteuer ausweisen. Beides kann ein Nachteil sein, der die buchhalterischen Vorteile nicht aufwiegt. Insbesondere dann, wenn du hohe Ausgaben hast. Aber gerade wenn du deine Buchhaltung selber machen möchtest, kann die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung nochmals eine Erleichterung sein.

Haftung: Mit Privatvermögen
Eigenkapital: Kein Mindestkapital erforderlich
Handelsregistereintrag: Nein
Buchführung: EÜR, wenn Gewinn unter 60.000€ und Umsatz unter 600.000€. Ansonsten doppelte Buchführung.
Sonstiges: Kleinunternehmerregelung kann in Anspruch genommen werden.

Eingetragene Kaufleute (e.K.)

Wer ein Handelsgewerbe betreibt, bzw. nach HGB ein „nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb“ benötigt, ist zum Eintrag in das Handelsregister verpflichtet (sogenannte Istkaufleute). Damit wird man zum eingetragenen Kaufmann oder Kauffrau. Für alle anderen Einzelunternehmen ist der Eintrag freiwillig (sogenannte Kannkaufleute).

In der Praxis hat dies zur Folge, dass du den Zusatz „eingetragener Kaufmann“, „eingetragene Kauffrau“ oder eine der folgenden Abkürzungen „e.K.“, „e.Kfm.“ oder „e.Kfr.“ im Namen führen musst. Außerdem gelten die Regelungen des HGB (Handeslgesetzbuch) während nicht eingetragene Einzelunternehmen den Regelungen des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) unterworfen sind.

Was bedeutet das für dich? Benötigst du nun einen Handelsregistereintrag mit allem drum und dran? Auch wenn der Gesetzgeber hier keine klare Regel geschaffen hat, kann man sagen, dass Blogger, Youtuber o.ä. in den meisten Fällen nicht unter diese Regel fallen. Für die wirklich großen und erfolgreichen Kanäle gilt dies natürlich nicht mehr.

Die IHK-Berlin hat eine schöne Übersicht erstellt mit Kriterien, wann von einem „nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb“ ausgegangen werden kann.

Haftung: Mit Privatvermögen
Eigenkapital: Kein Mindestkapital erforderlich
Handelsregistereintrag: JA
Buchführung: EÜR, wenn Gewinn unter 60.000€ und Umsatz unter 600.000€. Ansonsten doppelte Buchführung.

Personengesellschaften

Personengesellschaften sind Zusammenschlüsse von mehreren Personen oder Unternehmen. Sie können einfach, schnell und kostengünstig gegründet werden.

GbR (auch: BGB-Gesellschaft)

Die GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) ist, wie das Kleingewerbe den Regelungen des BGB unterworfen und wird daher auch oft als BGB-Gesellschaft bezeichnet.

Eine GbR muss nicht gewerblich sein und kann sogar ohne schriftlichen Gesellschaftervertrag gegründet werden, wobei das natürlich nicht empfehlenswert ist. Ist die GbR gewerblich tätig (und darum geht es ja hier) dann ist auch eine Gewerbeanmeldung nötig.

Die GbR muss von mindestens zwei Personen (oder auch Kapitalgesellschaften) gegründet werden, die dann gesamtschuldnerisch mit ihrem Privatvermögen haften. Das ist auch der größte Nachteil dieser Gesellschaftsform. Es bedeutet, dass ein Gesellschafter mit seinem ganzen Vermögen auch für Fehler der anderen Gesellschafter haftet. Ein Gläubiger (oder Geschädigte) können sich sogar aussuchen, an welchen Gesellschafter sie sich mit ihren Forderungen wenden und sich im Zweifel die Person mit dem größeren Vermögen aussuchen.

Haftung: Gesamtschuldnerisch mit Privatvermögen
Eigenkapital: Kein Mindestkapital erforderlich
Handelsregistereintrag: Nein
Buchführung: EÜR, wenn Gewinn unter 60.000€ und Umsatz unter 600.000€. Ansonsten doppelte Buchführung.

OHG

Was eingetragene Kaufleute bei den Einzelunternehmen sind, ist die OHG bei den Personengesellschaften. Wer mit mehreren Personen ein Handelsgewerbe betreiben möchte, muss eine OHG und keine GbR gründen. Die OHG wird ins Handelsregister eingetragen, wodurch sie auch den Regelungen des Handelsgesetzbuches unterworfen ist.

Haftung: Gesamtschuldnerisch mit Privatvermögen
Eigenkapital: Kein Mindestkapital erforderlich
Handelsregistereintrag: JA
Buchführung: doppelte Buchführung.

Kapitalgesellschaften

Kapitalgesellschaften wie eine GmbH oder eine Aktiengesellschaft sind sogenannte juristische Personen. Bei einem Einzelunternehmen bist du das Unternehmen. Das zeigt sich beispielsweise darin, das Verträge in deinem Namen abgeschlossen werden und Rechnungen auf deinen Namen ausgestellt werden.

Bei einer Kapitalgesellschaft ist das anders. Sie ist eine eigenständige (juristische) Person. Da sie natürlich nicht selbst handeln kann, hat sie sogenannte Organe. Das ist beispielsweise der Geschäftsführer einer GmbH, der im Namen der GmbH Verträge abschließt. Verträge werden nun allerdings im Namen der Gesellschaft abgeschlossen und nicht im Namen einer Person.

Die Gründung einer Kapitalgesellschaft ist deutlich teurer und aufwändiger als die Gründung eines Einzelunternehmens.

Sie muss in das Handelsregister eingetragen werden. Außerdem wird ein Gesellschaftervertrag benötigt, der meistens von Juristen erstellt und von einem Notar beurkundet werden muss. Hier entstehen bereits nicht unerhebliche Kosten. Außerdem muss ein bestimmtes Stammkapital vorhanden sein.

UG (Haftungsbeschränkt)

Die UG ist eine relativ neue Gesellschaftsform. Sie ist eine Art Mini-GmbH und kann mit nur einem Euro Stammkapital gegründet werden. Der Firmenname muss immer den Zusatz „UG (haftungsbeschränkt)“ enthalten und darf auch nicht abgekürzt werden. Beispielsweise „MaxMuster Autoschrauber UG (haftungsbeschränkt)“.

Das mittelfristige Ziel einer UG ist es, in eine GmbH umgewandelt zu werden. Daher müssen zwingend jedes Jahr 25% des Gewinns in die Rücklagen eingestellt werden (dürfen also nicht ausgeschüttet werden). Dies muss so lange fortgeführt werden, bis das Stammkapital der GmbH (25.000 €) erreicht ist. Dann kann die UG (haftungsbeschränkt) zur GmbH umfirmiert werden.

Haftung: Auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
Eigenkapital: Mindestens 1€
Handelsregistereintrag: JA
Buchführung: doppelte Buchführung.

GmbH

Die GmbH ist die erwachsene Schwester der UG. Sie wird häufig als seriöser als eine UG wahrgenommen. Für die Gründung einer GmbH sind mindestens 25.000 € Stammkapital nötig. Im Gegensatz zur UG, wo das Stammkapital auf ein Konto eingezahlt werden muss, ist bei der GmbH auch eine Sachgründung möglich. Dabei wird das Stammkapital nicht in Form von Geld eingebracht, sondern in Form von Sachwerten, z.B. Maschinen.

Haftung: Auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
Eigenkapital: Mindestens 25.000€
Handelsregistereintrag: JA
Buchführung: doppelte Buchführung.

Sonstige

Es gibt noch eine Vielzahl von anderen Unternehmensformen. Die oben genannten sind jedoch die in Deutschland am häufigsten gewählten Unternehmensformen für kleine und mittlere Unternehmen.

Bekannt ist natürlich die Aktiengesellschaft (AG). Zu deren Gründung jedoch mindestens 50.000€ Mindestkapital nötig sind.

Eine Zeitlang war die Gründung einer Limited beliebt, da diese sehr günstig gegründet werden kann und die Haftung ebenfalls beschränkt ist. Allerdings gibt es die Limited in Deutschland nicht, sodass man im Ausland gründen muss und sich damit auch die dortigen Gesetze gebunden ist, z.B. was Buchführung und Jahresabschluss angeht.

Außerdem gibt es noch Kombinationen aus unterschiedlichen Gesellschaftsformen, wie z.B. die GmbH & Co. KG.

Bei all diesen Unternehmensformen ist der bürokratische Aufwand in irgendeiner Form deutlich höher als bei den oben genannten. Aus diesem Grund sind sie wahrscheinlich nur in Spezialfällen für Einzelgründer/-innen eines Internetunternehmens interessant.

Fazit

Bei kleinen Unternehmen mit 0-9 Angestellten ist das Einzelunternehmen in Deutschland die mit Abstand am häufigsten gewählte Rechtsform. Von 3.103.896 Unternehmen die in diese Kategorie fallen, waren im Jahr 2018 insgesamt 2.078.768 Einzelunternehmen (Quelle: Statista). Rund zwei von drei kleinen Unternehmen sind also Einzelunternehmen.

Aus gutem Grund. Die Gründung eines Einzelunternehmens ist mit äußerst geringen Kosten und geringen bürokratischen Hürden verbunden. Außerdem kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden, wodurch Buchhaltung und Steuererklärung nochmals vereinfacht werden.

Gerade wenn du zuerst testen willst, wie gut dein Blog oder Youtube-Kanal ankommt und wie sich die Einnahmen entwickeln, kannst du mit der Gründung eines Einzelunternehmens eigentlich nichts falsch machen.

Die gute Nachricht ist: Die Entscheidung für eine Rechtsform ist nicht endgültig. Wenn dein Unternehmen boomt und du vielleicht sogar Leute einstellst, dann kannst du jederzeit entscheiden doch noch eine GmbH zu gründen.

Schreibe einen Kommentar

Kommentieren ist ohne Angabe personenbezogener Daten möglich. Dem Kommentar wird keine IP-Adresse zugeordnet.