Wenn man die Bearbeitung seiner Steuern selbst macht und nicht an einen Steuerberater abgibt, muss man sich zu Beginn auch damit auseinandersetzen, welche Steuererklärungen man überhaupt abgeben muss.

Auch die Fristen, wann man welche Steuererklärung abzugeben hat, sollte man im Blick behalten.

In diesem Beitrag gehe ich wieder davon aus, dass du ein Einzelunternehmen hast und keine Kapitalgesellschaft wie eine GmbH oder UG. In den meisten Fällen ist das die richtige Rechtsform, wenn man sich mit seinem Hobby oder Interessen (nebenberuflich) selbständig macht [Die richtige Rechtsform für Blogger/Youtuber etc.].

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Hinweis: Ich bin kein Steuerberater. Die hier aufgeführten Informationen basieren auf meiner Recherche und meinen Erfahrungen mit meiner Selbständigkeit. Sie dienen dazu, dir einen Überblick zu verschaffen und den Einstieg in das Thema zu erleichtern. Individuelle Fragen und Probleme zum Thema Steuern kann ich daher nicht beantworten.

Einkommensteuererklärung

Für Angestellte ist die Einkommensteuererklärung nicht immer verpflichtend. Insbesondere für ledige Angestellte (Steuerklasse 1) ist die Abgabe einer Steuererklärung in der Regel freiwillig.

Wenn du ein Gewerbe anmeldest, musst du immer eine Einkommensteuererklärung abgeben, auch wenn das bisher für dich nicht verpflichtend war. Auch dann, wenn du mit deinem Business am Anfang gar keinen Gewinn, oder sogar einen Verlust machst.

Selbständige müssen immer eine Einkommensteuererklärung abgeben. Auch, wenn man nur nebenberuflich selbständig ist.

Abgabefristen für die Einkommensteuererklärung:

Grundsätzlich ist die Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung der 31.Juli des Folgejahres, jedoch wurde die Abgabefrist für die Steuerjahre 2021-2023 verlängert.

  • Für das Steuerjahr 2021 endet die Abgabefrist am 31. Oktober 2022.
  • Für das Steuerjahr 2022 endet die Abgabefrist am 02. Oktober 2023.
  • Für das Steuerjahr 2023 endet die Abgabefrist am 02.September 2024.
  • Für das Steuerjahr 2024 endet die Abgabefrist am 31.Juli 2025
  • Wenn ein Steuerberater deine Einkommensteuererklärung macht, gilt jeweils eine längere Frist.

Quelle: https://finanzamt-bw.fv-bwl.de/,Lde/9361700

Anlage G oder Anlage S

Wenn du dich selbständig machst, musst du, zusätzlich zu den Formularen, die du als Angestellter oder Angestellte ausgefüllt hast, weitere Formulare in deiner Einkommensteuererklärung ausfüllen.

  • Wenn du ein gewerbliches Einzelunternehmen hast (also ein Gewerbe angemeldet hast), musst du Anlage G ausfüllen.
    Hier wird der Gewinn oder Verlust angegeben, den du mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt hast.
  • Wenn du Freiberufler oder Freiberuflerin bist, musst du stattdessen Anlage S ausfüllen.

Anlage EÜR – Formular für Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Die Anlage EÜR musst du ausfüllen, wenn du nicht zum Führen einer Bilanz verpflichtet bist, sondern deinen Gewinn mit der einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln kannst. Dies trifft auf folgende Unternehmen zu.

  • Freiberufler dürfen immer eine EÜR machen.
  • Gewerbetreibende dürfen eine EÜR machen, wenn Gewinn nicht mehr als 60.000€/Jahr oder Umsatz nicht mehr als 600.000€/Jahr beträgt.
  • Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG) müssen immer bilanzieren und dürfen nie eine EÜR machen.

Mit der Anlage EÜR wird der Gewinn oder Verlust aus deinen selbständigen Tätigkeiten ermittelt. Hier werden deine Einnahmen und Ausgaben aufgeführt. Dieses Formular müssen sowohl gewerblich als auch freiberuflich Selbständige ausfüllen.

Gewerbesteuerjahreserklärung

Wenn du ein Gewerbe angemeldet hast und dein Gewerbeertrag den Freibetrag von derzeit 24.500 Euro übersteigt, musst du eine Gewerbesteuererklärung abgeben. In der Regel entspricht der Gewerbeertrag dem Gewinn.

Wenn du Gewerbesteuer zahlen musst, kannst du diese wiederum in deiner Einkommensteuererklärung geltend machen, sodass dein Gewinn nicht doppelt mit Gewerbesteuer und Einkommensteuer besteuert wird.

Wenn dein Gewerbeertrag nicht über 24.500€ liegt, musst du auch keine Gewerbesteuererklärung abgeben (§25 GewStDV).

Umsatzsteuer-Voranmeldung

Wenn du die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nimmst, musst du monatlich oder vierteljährlich eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben.

Auch wenn die Umsatzsteuer grundsätzlich eine Jahressteuer ist, wird so die Zahllast gleichmäßig auf das Jahr verteilt.

Kleinunternehmer müssen in der Regel keine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben. Allerdings kann dich das Finanzamt auch als Kleinunternehmer auffordern, eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abzugeben. Beispielsweise dann, wenn du im Zuge des Reverse-Charge-Verfahrens doch Umsatzsteuer abführen musst, obwohl du Kleinunternehmer bist.

Dabei gelten u.a. folgende Regelungen laut §18 UStG:

  • Standardmäßig ist der Voranmeldezeitraum das Kalendervierteljahr
  • Hat deine Zahllast (Umsatzsteuer-Vorsteuer) für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 7.500 € betragen, musst du im laufenden Jahr monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben
  • Hat Ihre Vorjahressteuer nicht mehr als 1.000 € betragen, kannst du dich vom Finanzamt komplett von der Umsatzsteuer-Voranmeldung befreien lassen.

Abgabefrist Umsatzsteuer-Voranmeldung: Die Voranmeldung muss bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldezeitraums (Monat oder Vierteljahr) angegeben werden.

Umsatzsteuerjahreserklärung

Einmal jährlich muss eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgegeben werden. Damit wird die angefallene Umsatzsteuer sowie die abzugsfähige Vorsteuer ermittelt und außerdem die unterjährig bereits bezahlte Steuer verrechnet.

Auch Kleinunternehmer müssen eine Umsatzsteuererklärung abgeben.

Das ergibt sich schon daraus, dass das Formular für die Umsatzsteuerjahreserklärung spezielle Felder für die Daten von Kleinunternehmern enthält. Anscheinend verzichten aber viele Finanzämter darauf, die jährliche Umsatzsteuerklärung von Kleinunternehmern und Kleinunternehmerinnen einzufordern.

Formular Umsatzsteuer Kleinunternehmer

Abgabefristen für die Umsatzsteuererklärung:

Die Abgabefrist für die Umsatzsteuererklärung ist identisch, mit der Frist für die Einkommensteuererklärung. Standardmäßig der 31.Juli des Folgejahres. Allerdings wurde die Abgabefrist für Umsatzsteuererklärung für die Steuerjahre 2021-2023 verlängert.

  • Für das Steuerjahr 2021 endet die Abgabefrist am 31. Oktober 2022.
  • Für das Steuerjahr 2022 endet die Abgabefrist am 02. Oktober 2023.
  • Für das Steuerjahr 2023 endet die Abgabefrist am 02.September 2024.
  • Für das Steuerjahr 2024 endet die Abgabefrist am 31.Juli 2025
  • Wenn ein Steuerberater deine Einkommensteuererklärung macht, gilt jeweils eine längere Frist.

Quelle: https://finanzamt-bw.fv-bwl.de/,Lde/9361700

ZM – Zusammenfassende Meldung

Die ZM betrifft dich nur, wenn du als Unternehmer-/in steuerfreie Lieferungen und/oder sonstige Leistungen im EU-Binnenmarkt erbringst. Diese Waren oder Dienstleistungen unterliegen im Empfängerstaat der Umsatzsteuer.

Dies betrifft beispielsweise auch Werbeeinnahmen mit Google Adsense, oder Einnahmen aus dem Amazon Partnerprogramm. In beiden Fällen muss die Umsatzsteuer von Google, bzw. Amazon in Irland abgeführt und nicht von dir in Deutschland.

Wenn du Einnahmen mit Google Adsense, dem Amazon Partnerprogramm o.ä. hast, musst du eine Zusammenfassende Meldung abgeben.

Die Zusammenfassende Meldung muss, abhängig vom Umsatz, monatlich, vierteljährlich oder jährlich abgegeben werden. Details zu den Fristen und den dafür ausschlaggebenden Bemessungsgrundlagen findest du in einer Übersicht des Bundeszentralamts für Steuern.

Kleinunternehmer müssen keine ZM abgeben (siehe Bundeszentralamt für Steuern).

Fazit

Dieser Artikel soll dir einen Überblick darüber geben, mit welchen Themen und Steuerarten du dich überhaupt auseinandersetzen musst, wenn du planst dich (nebenberuflich) selbständig zu machen.

Fast niemand hat Lust auf das Thema Steuern und gerade zu Beginn der Selbständigkeit kann das Thema geradezu erschlagend wirken. Man sollte jedoch bedenken, dass man sich letztendlich nur einmal gründlich einarbeiten muss. Anschließend wiederholen sich die Vorgänge und man muss nur noch kleine Änderungen berücksichtigen.

Außerdem übernimmt eine moderne Buchhaltungssoftware bereits einen Großteil der Arbeit. Viele Tools können sogar selbständig die Formulare für die Steuererklärung ausfüllen. Dann muss man nur noch die jeweiligen Einträge kontrollieren.

Alternativ hat man natürlich auch die Möglichkeit, das Thema an einen Steuerberater oder Steuerberaterin auszulagern. Schließlich hat man später, wenn man sich sicherer fühlt, immer noch die Möglichkeit, die Buchhaltung selbst zu übernehmen.

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