Aktualisiert am 22. September 2022

Egal, ob du planst dich hauptberuflich selbständig zu machen, oder ob du dir nebenberuflich ein zweites Standbein aufbauen willst, du wirst dich leider zwangsläufig mit dem Thema Steuer und Steuererklärung auseinandersetzen müssen.

Während Angestellte normalerweise nur Einkommensteuer und ggf. Solidaritätszuschlag zahlen müssen, kommen für Selbständige noch weitere Steuern hinzu. Das bedeutet auch, dass Selbständige in jedem Fall eine Steuererklärung machen müssen. Und zwar nicht nur für die Einkommensteuer, sondern auch für die anderen Steuerarten.

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In diesem Artikel gehe ich wieder davon aus, dass du gewerbliches Einzelunternehmen hast, da dies in den meisten Fällen die passende Rechtsform ist, wenn man sich in kleinem Maßstab selbständig macht [Die richtige Rechtsform für Blogger/Youtuber etc.]. Außerdem gehe ich davon aus, dass du keine Angestellten hast.

Hinweis: Ich bin kein Steuerberater. Die hier aufgeführten Informationen basieren auf meiner Recherche und meinen Erfahrungen mit meiner Selbständigkeit. Sie dienen dazu, dir einen Überblick zu verschaffen und den Einstieg in das Thema zu erleichtern. Individuelle Fragen und Probleme zum Thema Steuern kann ich daher nicht beantworten.

Einkommensteuer und ggf. Solidaritätszuschlag

Der Gewinn aus deinem Unternehmen unterliegt der Einkommensteuer. Je nach Steuersatz ist zusätzlich noch Solidaritätszuschlag fällig. Das bedeutet, die Summe aus deinen Aufwendungen und Erträgen (ugs. Einnahmen und Ausgaben) ist dein Gewinn. Dieser Betrag wird zu deinem zu versteuernden Einkommen hinzugezählt und unterliegt der Einkommensteuer.

Bei der Einkommensteuer gibt es einen Freibetrag i.H.v. derzeit 9.744€. Das bedeutet, bei einem Einkommen bis zu dieser Höhe fällt keine Einkommensteuer an. Wer sich nebenberuflich selbständig macht, schöpft diesen Freibetrag wahrscheinlich ohnehin mit seinem Hauptjob aus.

Aber auch wenn das Einkommen unterhalb des Freibetrags liegt, muss trotzdem eine Steuererklärung abgegeben werden.

Für die Summe, die über dem Freibetrag liegt wird Einkommensteuer fällig, wobei der Steuersatz, abhängig von der Höhe deines Einkommens, zwischen 14% und 42% liegt.

Die Einkommensteuer wird einmal im Jahr gezahlt, nachdem du deine Steuererklärung gemacht hast. In den meisten Fällen wird das Finanzamt für die folgenden Jahre unterjährige Abschlagszahlungen verlangen. Die Information, ob und welche Anschläge zu zahlen sind, erhält man mit dem Steuerbescheid.

Wenn du dich (nebenberuflich) gewerblich selbständig machst, musst du bei deiner Einkommensteuererklärung zusätzlich Anlage G (Formular für Einkünfte aus Gewerbebetrieb) ausfüllen. Wenn du das Glück hast, deine Tätigkeit als Freiberufler-/in ausführen zu können, musst du Anlage S (Formular für Einkünfte aus selbständiger Arbeit) ausfüllen.

Gewerbesteuer

Wie der Name der Steuer bereits andeutet, müssen nur gewerbetreibende auch Gewerbesteuer zahlen. Für Freiberufler wird die Steuer nicht fällig.

Die Gewerbesteuer wird auf den sogenannten Gewerbeertrag fällig. In der Regel entspricht der Gewerbeertrag deinem Gewinn.

Bei der Gewerbesteuer gibt es derzeit eine Freigrenze von 24.500€. Das bedeutet, dass keine Gewerbesteuer bezahlt werden muss, wenn der Gewinn unter der Freigrenze liegt. Liegt der Gewinn über der Freigrenze, muss nur für den Anteil Gewerbesteuer bezahlt werden, der über der Freigrenze liegt.

Berechnung der Gewerbesteuer:
Gewerbeertrag (Gewinn) x 3,5 % (Steuermesszahl) x Hebesatz = Gewerbesteuer

Der Hebesatz ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Er liegt bei mindestens 200% und im deutschlandweiten Durchschnitt bei etwa 400%. Manche Gemeinden liegen darüber, manche darunter. Der Freibetrag gilt deutschlandweit einheitlich.

Außerdem kannst du die Gewerbesteuer in der Einkommensteuer geltend machen. Du bezahlst also Gewerbesteuer, dafür aber weniger Einkommensteuer. So soll verhindert werden, dass Gewerbetreibende gegenüber Freiberuflern steuerlich schlechter gestellt werden.

Umsatzsteuer

Auf die meisten Waren und Dienstleistungen wird 19% Umsatzsteuer fällig, in Ausnahmefällen nur 7%. Das bedeutet, 19% deiner Einnahmen gehen über die Umsatzsteuer an das Finanzamt.

Wenn du also für 119€ Dienstleistungen verkaufst, gehen davon 19€ an das Finanzamt.

Von diesen 19% Umsatzsteuer darfst du jedoch die Vorsteuer abziehen. Wenn du beispielsweise 10€ im Monat für deinen geschäftlichen Handyvertrag bezahlst, sind darin 1,60€ Umsatzsteuer enthalten. Diese darfst du von der Umsatzsteuer, die du an das Finanzamt zahlen musst, abziehen.

Also:
Umsatzsteuer – Vorsteuer = Zahllast (muss an das Finanzamt überwiesen werden.)
19€ Umsatzsteuer – 1,60€ Vorsteuer = 17,40€ Zahllast

Kleinunternehmerregelung: Wenn du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst, gelten die oben genannten Regeln nicht. Du darfst deinen Kunden weder Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen ausweisen, noch darfst du die Vorsteuer vom Finanzamt wiederholen.

Damit spart man sich als Kleinunternehmer die monatlichen oder quartalsweisen Umsatzsteuervoranmeldungen. Aber auch Kleinunternehmer müssen einmal jährlich eine Umsatzsteuererklärung abgeben.

Achtung: Durch Reverse-Charge-Fälle kann man auch als Kleinunternehmer Umsatzsteuerpflichtig werden. Wenn man diese Fälle hat, z.B. weil man Google oder Facebook-Werbung schalten will, ist wahrscheinlich guter Zeitpunkt, um auf Kleinunternehmerregelung zu verzichten und ggf. Unterstützung bei einem Steuerberater oder Steuerberaterin zu suchen, weil steuerliche Situation komplexer wird.

Umsatzsteuer, Vorteuer, Mehrwersteuer, was???

Letztendlich handelt es sich bei all diesen Begriffen um dieselbe Steuer, die umgangssprachlich meist Mehrwertsteuer genannt wird und 7% oder 19% beträgt.

  • Umsatzsteuer: Wenn du ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufst, weißt du auf der Rechnung Umsatzsteuer aus und musst diese an das Finanzamt abführen (außer bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung).
  • Vorsteuer: Wenn du ein Produkt oder eine Dienstleistung für dein Unternehmen kaufst, weist der Verkäufer auf der Rechnung Umsatzsteuer aus. Die Umsatzsteuer des Verkäufers ist deine Vorsteuer. Die Vorsteuer wird in der Umsatzsteuererklärung mit der Umsatzsteuer verrechnet (außer bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung).
  • Mehrwertsteuer ist der umgangssprachliche Begriff für die Umsatzsteuer und Vorsteuer.

Nebenberufliches Kleingewerbe und Steuern

Für die Steuer spielt es keine Rolle, ob du dein Gewerbe nebenberuflich oder hauptberuflich betreibst. Alle deine Einnahmen, egal ob aus dem Angestelltenverhältnis oder aus deiner Selbstständigkeit unterliegen gleichermaßen der Einkommensteuer und werden bei der Steuererklärung zusammen gezählt.

Einziger Unterschied ist, dass bei einem Angestelltenverhältnis die Einkommensteuer direkt vom Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt wird. Für den Gewinn aus deiner selbstständigen Tätigkeit musst du die Einkommenssteuer nach Abgabe der Steuererklärung selbst überweisen.

Auch spielt es keine Rolle, ob du ein Kleingewerbe betreibst oder nicht. Kleingewerbe bedeutet lediglich, dass dein Unternehmen keinen „nach Art oder Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb“ erfordert und damit nicht den strengen Regelungen des HGB (Handelsgesetzbuch), sondern denen des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) unterliegt. Damit einher gehen bürokratische Erleichterungen aber keine Steuererleichterungen.

Kleinunternehmerregelung und Steuern

Die Kleinunternehmerregelung (nicht zu verwechseln mit Kleingewerbe) bezieht sich nur auf die Umsatzsteuer. Details hierzu findest du weiter oben im Kapitel Umsatzsteuer.

Wenn du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst, musst du keine Umsatzsteuer zahlen, darfst aber auch keine Vorsteuer abziehen.

Es gibt keinen besonderen Steuerfreibetrag für Kleinunternehmer. Sämtliche Gewinne unterliegen ganz normal der Einkommensteuer, sofern der Grundfreibetrag von 10.347€ (2022) überschritten wird.

Der Grundfreibetrag gilt jedoch für alle deine Einkommensarten zusammen, es werden also Einkommen aus einem Angestelltenverhältnis und Gewinn als Kleinunternehmer/-in zusammengezählt. Alles was über den Freibetrag hinausgeht unterliegt der Einkommensteuer. Eine Steuererklärung musst du immer abgeben, wenn du ein Gewerbe angemeldet hast, auch wenn dein Einkommen unter dem Freibetrag bleibt.

Auch für die Gewerbesteuer spielt es keine Rolle, ob du Kleinunternehmer bist. Aufgrund des Freibetrags bei der Gewerbesteuer müssen Kleinunternehmer in der Regel jedoch keine Gewerbesteuer zahlen, sofern sie die Freigrenze der Kleinunternehmerregelung nicht überschreiten

Fazit

Das Thema Steuern ist leider recht umfangreich und komplex. Ob man sich damit selbst auseinandersetzen möchte, oder das ganze Thema eine Steuerkanzlei abgibt, muss man selbst entscheiden.

Wer die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt und keine Spezialfälle hat, kann seine Steuern und Buchhaltung mit ein bisschen Einarbeitung durchaus selbst erledigen. Immerhin ist die Einarbeitung nur einmalig fällig, da sich die Vorgänge immer wiederholen.

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Letztendlich kann man aus dem Thema Steuern auch eine einfach Kosten-/Nutzenrechnung machen. Wie viel Zeit benötigt man, um sich einzuarbeiten und um die regelmäßigen Steuererklärungen zu machen. Und wie hoch wären die Kosten für die Auslagerung an ein Steuerbüro.

Einen Seitenblick sollte man jedoch immer auf Veränderungen im Steuerrecht haben, da dieses vom Gesetzgeber laufend angepasst wird. Hier bieten sich die IHKs als gute Informationsquelle an, die oft auch einen Newsletter zum Thema Steuern anbieten.

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