Aktualisiert am 22. September 2022

Du planst einen Blog oder einen Youtube-Kanal zu erstellen, oder willst deine Instagram-Aktivitäten ausbauen? Dann fragst du dich vielleicht, ob oder wann du ein Gewerbe anmelden musst.

Die kurze Antwort: Ja, in den allermeisten Fällen musst du ein Gewerbe anmelden. Wenn du planst mit deinen Aktivitäten Geld zu verdienen, dann musst du ein Gewerbe anmelden. Dabei ist es unerheblich, ob du bereits Einnahmen hast und ob diese ausreichen deine Kosten zu decken.

Anzeige
Website rechtlich absichern
Datenschutzerklärung & Impressum für Website & Social Media
Cookie-Einwilligung, Webinare, Erstberatung Internetrecht uvw.
Jetzt Website absichern
WordPress-Video-Masterkurs
WordPress-Video-Masterkurs, Maximal-Praxisnah, Gratis Updates
100 Praxis-Videos für WordPress

Rechtlich betrachtet ist die Sache natürlich etwas komplizierter. Daher betrachten wir zuerst die Frage, ob du als Blogger, Youtuber oder Influencer überhaupt ein Gewerbe anmelden musst.

Denn wenn du deine Tätigkeit freiberuflich ausüben kannst, musst du kein Gewerbe anmelden. Doch auch dann musst du deine Tätigkeit dem Finanzamt anzeigen.

Ein YouTube- oder Influencer-Business ohne Bürokratie zu betreiben ist nicht möglich.

Doch wenn du dich fragst, ob YouTube Gewerbe oder freiberuflich ist, lautet die Antwort in wahrscheinlich 90% der Fälle: Gewerbe.

Musst du für deinen Blog ein Gewerbe anmelden? Das kommt auf deine Inhalte an und wie du damit Geld verdienen willst. In den meisten Fällen, wenn du Geld mit Werbung, Affiliate-Marketing oder Kooperationen verdienst, wirst du ein Gewerbe anmelden müssen.

Nur in wenigen Fällen, wenn du beispielsweise rein journalistisch tätig bist, oder als Autor oder Autorin mit dem Verkauf deiner Geschichten oder der VG Wort Geld verdienst, könnte die Tätigkeit freiberuflich und ohne Gewerbeanmeldung ausgeführt werden. Letztendlich entscheidet darüber das Finanzamt.

Dieser Beitrag enthält das Ergebnis meiner Recherchen und natürlich meine Erfahrungen mit meiner eigenen Gewerbeanmeldung und Selbstständigkeit. Doch ich bin kein Anwalt und die Rechtslage kann sich ändern. Im Zweifel solltest du unklare Fragen daher mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater oder Steuerberaterin klären um eine rechtsverbindliche Auskunft zu bekommen.

Willst du Geld einnehmen?

Am Anfang steht die Frage, ob du mit deinen Aktivitäten Geld einnehmen willst. Wenn das nicht der Fall ist, dann ist dein Blog oder Instagram-Account nur ein privates Hobby. Dann ist natürlich auch keine Gewerbeanmeldung nötig. Aber um diesen Fall soll es in diesem Artikel natürlich nicht gehen.

Beachte: Auch wenn du kostenlose Produkte und Dienstleistungen annimmst, zählt das als „Geld verdienen“ auch wenn kein Geld fließt. Denn du hast dadurch natürlich einen finanziellen Vorteil.

Wir gehen also davon aus, dass du planst, mit deinem Blog, Youtube-Kanal oder Instagram Account Geld einzunehmen, oder andere finanzielle Vorteile zu nutzen.

Sei es durch die Teilnahme an Partnerprogrammen, das Schalten von Werbung oder Kooperationen mit Unternehmen.

Selbst wenn du planst irgendwann in Zukunft mit deinem Projekt Geld zu verdienen, solltest du dich bereits jetzt mit dem Thema Gewerbeanmeldung und Steuer auseinandersetzen. Auch wenn du zu Anfang noch keinerlei Einnahmen hast.

Passend für dein Business Werbung
Leitfaden in die Selbstständigkeit
Gründung, Buchführung, Gewinnermittlung, Steuern

Alle Daten und Unterlagen immer dabei. Mit Microsoft Office (Word, Excel, Powerpoint) produktiv arbeiten

Du Planst also, irgendwann in Zukunft mit deinem Projekt Geld einzunehmen. Musst du nun ein Gewerbe anmelden, oder nicht.

Die Antwort: Ja, außer du kannst deine Tätigkeit freiberuflich ausführen.

Als Blogger oder Youtuber: Freiberufler oder Gewerbe?

Wenn du als Blogger, Youtuber o.ä. Geld verdienen willst, kannst du dies entweder gewerblich oder freiberuflich tun.

Freiberufler haben gegenüber Gewerbetreibenden eine Reihe von steuerlichen und bürokratischen Vorteilen. So zahlen Freiberufler beispielsweise keine Gewerbesteuer.

Die schlechte Nachricht: In wahrscheinlich 99% der Fälle wirst du deine Tätigkeit als Blogger, Youtuber oder Influencer nicht als Freiberufler ausführen können, sondern ein Gewerbe anmelden müssen.

Denn der Gesetzgeber hat eine Reihe von Berufen festgelegt, die freiberuflich arbeiten können. Und zwar in §18 des Einkommensteuergesetzes. Für die vollständige Liste musst du dir den Paragraphen durchlesen.

In Betracht kommen wahrscheinlich hauptsächlich folgende Tätigkeiten und Berufe:

Tätigkeiten die freiberuflich ausgeübt werden können sind unter anderem:

  • Wissenschaftliche,
  • künstlerische,
  • schriftstellerische,
  • unterrichtende
  • oder erzieherische Tätigkeiten.

Berufe die freiberuflich ausgeübt werden können sind zum Beispiel:

  • Ärzte
  • Rechtsanwälte
  • Ingenieure
  • Journalisten
  • Bildberichterstatter

Nun kann man als Blogger oder Youtuber durchaus journalistisch, künstlerisch, erzieherisch usw. tätig sein.

Das entscheidende ist: Wodurch erzielst du deine Einahmen?

Wenn du freiberuflicher Künstler oder Künstlerin bist und vom Verkauf deiner Kunst lebst, kannst du auch einen Blog betreiben, auf dem du über Ausstellungen und deine Tätigkeit berichtest.

Wenn du jedoch kunstinteressiert bist und auf deinem Blog über Ausstellungen berichtest, deine Einnahmen jedoch aus Werbung oder Kooperationen mit Künstlern oder Agenturen verdienst, dann sind deine Einnahmen gewerblich und du kannst nicht freiberuflich arbeiten.

Die Unterscheidung ist nicht immer ganz klar zu treffen. Ohnehin gilt: Ob du freiberuflich arbeiten kannst, entscheidet letztendlich das Finanzamt und leider nicht du oder ich. Im Zweifel also einfach dort anfragen.

Wann liegt eine gewerbliche Tätigkeit vor?

Die freiberufliche Arbeit fällt also in den meisten Fällen flach. Aber wer sagt, dass man dann ein Gewerbe anmelden muss. Kann ich nicht einfach meine Einnahmen in der Steuererklärung angeben und fertig?

Leider nein. Dies hat der Gesetzgeber in §15 des Einkommensteuergesetzes geregelt. Der entscheidende Satz steht in Absatz 2 des genannten Paragraphen.

Einkünfte aus Gewerbebetrieb sind: …
Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist

Die entscheidenden Punkte sind also folgende:

  • Selbständig: Also eigenverantwortlich, nicht einem Arbeitgeber weisungsgebunden.
  • Nachhaltig: Also langfristig.
  • Gewinnerzielungsabsicht: Ganz wichtig: Es genügt die Absicht, es ist irrelevant, ob du tatsächlich Gewinn machst. die Absicht lässt sich damit bereits nachweisen, wenn du einen Partnerlink oder ein Werbebanner auf deinem Blog schaltest.

Das bedeutet letztendlich: Alles was nicht freiberuflich (oder Land- und Forstwirtschaft) ist, ist gewerblich.

Wenn du also planst, jetzt oder irgendwann in der Zukunft mit deinem Projekt Geld zu verdienen, dann musst du ein Gewerbe anmelden, sofern du nicht unter die Ausnahmen für Freiberufler fällst.

Zu welchem Zeitpunkt muss ich ein Gewerbe anmelden?

Natürlich stellt sich nun noch die Frage, zu welchem Zeitpunkt das Gewerbe angemeldet werden muss. Wenn du eine Domain registrierst, den Youtube-Account anlegst, oder wenn du die ersten Einnahmen hast?

Die Antwort ist auch hier recht einfach: Sobald die Tätigkeit aufgenommen wird.

Im Zweifel bedeutet das, bereits mit dem Registrieren der Domain dem Anlegen der Webseite oder dem Anlagen des Youtube-Accounts ist eine Gewerbeanmeldung nötig.

Wer dies nachlesen will, findet die entsprechende Passage in §14 Gewerbeordnung. Darin heißt es:

Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes, einer Zweigniederlassung oder einer unselbständigen Zweigstelle anfängt, muss dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen

Gewerbe als nebenberuflicher Blogger/Bloggerin?

Natürlich kannst du deine selbständige Tätigkeit auch ausüben, ohne deine Arbeit als Angestellter oder Angestellte kündigen zu müssen.

Für die Gewerbeanmeldung spielt dies jedoch keine Rolle. Du musst also auch als nebenberuflicher Blogger oder Bloggerin ein Gewerbe anmelden.

Was kommt nach der Gewerbeanmeldung?

Wenn du dein Gewerbe angemeldet hast, kannst du loslegen. Du kannst Werbung auf deiner Webseite schalten, dich zu Affiliate-Programmen anmelden oder Kooperationen eingehen.

Leider musst du deine gewerbliche Tätigkeit aber nicht nur dem Gewerbeamt anzeigen, sondern auch dem Finanzamt melden.

Hierzu musst du den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ausfüllen, was seit Januar 2021 nicht mehr in Papierform möglich ist, sondern über das Steuerportal Elster erledigt werden muss.

Deine nächsten Schritte nach der Gewerbeanmeldung sollten daher die Anmeldung bei Elster und das Ausfüllen des „Fragebogens zur steuerlichen Erfassung“ sein.

Nach dessen Bearbeitung erhältst du auch eine Steuernummer und eventuell eine Umsatzsteuer-ID für dein Unternehmen vom Finanzamt. Dies benötigst du nicht nur für deine Steuererklärung, sondern auch um ordnungsgemäße Rechnungen zu schreiben zu können. Denn Steuernummer oder UST-ID zählt zu den Pflichtangaben auf Rechnungen.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man also folgendes sagen.

Wenn du planst, jetzt oder in Zukunft mit deinem Blog, Youtube- oder Instagram-Account Geld zu verdienen oder Partnerschaften mit Unternehmen (egal ob bezahlt oder unbezahlt) einzugehen, dann musst du ein Gewerbe anmelden. Und zwar bereits dann, wenn du mit der Tätigkeit beginnst, nicht erst dann, wenn du Geld verdienst.

Einzige Ausnahme ist, wenn du die Tätigkeit freiberuflich ausführen kannst. Aber das dürfte in den allermeisten Fällen nicht möglich sein.

Unwichtig ist auch, ob deine Einnahmen überhaupt deine Kosten decken. Entscheidend ist lediglich die Absicht Gewinn zu machen.

Spätestens wenn du das erste Banner auf deinem Blog schaltest, oder den ersten Affiliatelink unter deinem Yotube-Video postest, ist die Gewinnerzielungsabsicht auch nachweisbar.

Ich würde aber auf jeden Fall empfehlen, die Gewerbeanmeldung und andere bürokratische Tätigkeiten so früh wie möglich zu erledigen. Erstens sparst du dir dadurch eventuellen Ärger mit den Behörden und zweitens hast du dann den Kopf frei, für das was du eigentlich machen Willst. Nämlich Inhalte für dein Projekt erstellen.

Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Die Gewerbeanmeldung als Einzelunternehmen ist sehr einfach und schnell erledigt. Wie du das Formular genau ausfüllen musst, wenn du ein Einzelunternehmen anmelden möchtest, erfährst du im Beitrag [Gewerbeanmeldung: Formular ausfüllen für Einzelunternehmer/in].

In vielen Städten und Gemeinden ist das sogar online möglich. In anderen muss das Formular im Bürgerbüro oder Gewerbeamt abgegeben werden. So oder so lässt sich die Gewerbeanmeldung an einem Tag erledigen. Und dann kannst du das Thema vergessen.

Schreibe einen Kommentar

Kommentieren ist ohne Angabe personenbezogener Daten möglich. Dem Kommentar wird keine IP-Adresse zugeordnet.