Wenn du eine Geschäftsidee hast, oder dein Hobby zum Beruf machen willst, fragst du dich sicher, was damit für Kosten auf dich zukommen. Denn leider ist es nicht gestattet, einfach so Werbung auf seiner Webseite zu schalten, oder Kooperationen für den Instagram-Account einzugehen. Um solche Möglichkeiten zu nutzen, ist es fast immer nötig, ein Gewerbe anzumelden. Mehr zu diesem Thema findest du im Beitrag [Muss ich als Blogger/Youtuber/Influencer ein Gewerbe anmelden?].

In diesem Beitrag gehe ich davon aus, dass du ein Einzelunternehmen gegründet hast. In den meisten Fällen dürfte das die beste Rechtsform sein, wenn man sich (nebenberuflich) selbständig machen möchte und erstmal klein einsteigt [Die richtige Rechtsform für Blogger/Youtuber etc.].

Die gute Nachricht ist: Gerade, wenn du deine Geschäftsidee ausprobieren willst und dich nur nebenberuflich selbständig machst, sind die Kosten äußerst gering.

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Mit diesen Kosten musst du immer rechnen

Einige Kosten entstehen immer, wenn du dich selbständig machst. Dabei ist es nicht wichtig, ob du die Selbständigkeit nebenberuflich oder in Vollzeit betreibst.

Gewerbeanmeldung

Die Gewerbeanmeldung ist ein Verwaltungsvorgang, für den die Behörde vor Ort eine Gebühr erhebt. Diese Gebühr ist nicht einheitlich geregelt und von Stadt zu Stadt unterschiedlich.

In den meisten Fällen liegt die Gebühr für die Gewerbeanmeldung bei einmalig max. 50€.

Buchhaltungssoftware

Wenn du deine Buchhaltung nicht komplett an einen Steuerberater oder an eine externe Buchhaltung abgibst, wirst du in der Praxis um eine Buchhaltungssoftware nicht herum kommen. Grund hierfür sind die GoBD, die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form.

Diese besagen unter anderem, dass die Buchhaltung revisionssicher sein muss. Diese Anforderung lässt sich beispielsweise mit Excel nicht erfüllen.

Für eine Buchhaltungssoftware musst du ab ca. 100€/Jahr rechnen.

Alternativ: Steuerberater

Wenn du dich nicht um deine Steuererklärung und Buchhaltung kümmern möchtest, kannst du diese einem Steuerberater oder Steuerberaterin überlassen.

Insbesondere, wenn du nur nebenberuflich selbständig bist, lohnt sich dieser finanzielle Aufwand eher nicht. Besonders wenn du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst, ist der Aufwand für Buchhaltung und Steuererklärung nach einer ersten Einarbeitung relativ gering.

Steuerberaterkosten hängen vom Aufwand ab, wobei du mit etwa 150€/Monat und aufwärts rechnen kannst.

Einkommensteuer

Ein Punkt, der gerne vergessen wird, bis das böse Erwachen bei der Steuererklärung kommt. Der Staat beansprucht auch einen Anteil an deinem Gewinn. In den meisten Fällen werden monatliche oder vierteljährliche Abschlagszahlungen an das Finanzamt fällig. Wie hoch diese sind, erfährt man spätestens mit der ersten Steuererklärung.

Um auf der sicheren Seite zu sein, ist es sinnvoll, jeden Monat einen Anteil von 15%-30% des in diesem Monat erwirtschafteten Gewinns auf die Seite zu legen.

Zusätzliche Kosten, die unter bestimmten Umständen fällig werden

Es gibt noch eine Reihe an Kosten, die nur unter bestimmten Umständen fällig werden und dich nicht in jedem Fall betreffen.

Betriebs- und Geschäftsausstattung, Fahrtkosten, Tools & Software

Vielleicht benötigst du nur deinen ohnehin vorhandenen Laptop, um dein Business zu starten. Vielleicht entstehen jedoch zusätzliche Kosten. So gibt es im Internet beispielsweise Generatoren, um Datenschutzerklärungen für Webseiten zu erstellen. In vielen Fällen dürfen diese Texte nur von Privatpersonen oder sehr kleinen Unternehmen kostenlos genutzt werden. Wenn du dein Hobby zum (Neben-)Beruf machst, können an solchen Stellen Kosten entstehen, die du bisher nicht hattest.

Unter Umständen ist es jedoch auch genau umgekehrt. Kosten, die durch dein Business entstehen, kannst du steuerlich als Betriebsausgaben geltend machen. Wenn du also dein bisheriges Hobby zum (Neben-)Beruf machst, kannst du eventuell Kosten, die du bisher schon hattest, jetzt steuermindernd geltend machen.

Krankenversicherung

Dieser Abschnitt betrifft dich nur, wenn du in der gesetzlichen Krankenversicherung bist, da die Beiträge zur privaten Krankenversicherung unabhängig von deinem Einkommen sind.

Wenn du einer Vollzeitbeschäftigung nachgehst und dich nebenberuflich selbständig machst, müssen für deine Einnahmen aus der Selbständigkeit in der Regel keine Krankenkassenbeiträge gezahlt werden. Dies gilt jedoch nur, wenn die Selbständigkeit im Vergleich zum Haupterwerb nur in geringem Umfang durchgeführt wird.

Wenn sich deine nebenberufliche Selbständigkeit plötzlich sehr positiv entwickelt, oder wenn du nur Teilzeit arbeitest, ist es jedoch möglich, dass auch für deine Einnahmen aus der Selbständigkeit Beiträge an die Krankenkasse fällig werden.

Ein Anruf bei deiner Krankenkasse bringt Klarheit, ob das bei dir der Fall ist.

IHK

Wenn du ein Gewerbe anmeldest, wird sich früher oder später auch die IHK (Industrie- und Handelskammer) bei dir melden. Denn die meisten Gewerbetreibenden müssen sich an der Finanzierung der lokalen IHK beteiligen. Wie hoch dieser Beitrag ist, ist von IHK zu IHK unterschiedlich und hängt von deinem Gewinn ab.

Die Höhe deines Gewinns erfährt die IHK direkt vom Finanzamt und stellt dir dementsprechend eine Rechnung. Eine Meldung deines Gewinns an die IHK ist also nicht nötig.

Beispiel für die IHK Stuttgart:

Der Beitrag besteht aus einem Grundbeitrag und einer Umlage.

  • Kein Grundbeitrag: Unternehmen, die nicht im Handelsregister eingetragen sind (das trifft auf die meisten Einzelunternehmen zu) und weniger als 5200€ Gewinn im Jahr machen.
  • 45€ Grundbeitrag/Jahr: Gewinn über 5.200 Euro bis 24.500 Euro.
  • 90€ Grundbeitrag/Jahr: Gewinn über 24.500 Euro

Zusätzlich ist eine Umlage in Höhe von 0,21% des Gewinns zu zahlen. Für Einzelunternehmen gibt es jedoch einen Freibetrag von 15.340€. Das bedeutet, nur wenn du mehr Gewinn machst, musst du auf den Gewinn über diesem Betrag 0,21% an die IHK abführen.

Versicherungen

Ob du überhaupt Versicherungen brauchst und wenn ja, welche, hängt vor allem von der Art und Umfang deines Unternehmens ab.

Wie im Privatleben kann vor allem eine Haftpflichtversicherung sinnvoll sein. Der Beitrag hängt von der Art deiner Tätigkeit und dem davon ausgehenden Risiko ab. Für relativ risikolose Tätigkeiten wie Blogger, Youtuber etc. kannst du mit ca. 100€/Jahr rechnen.

Wenn deine Tätigkeit ein höheres Risiko für Verletzungen hat, beispielsweise weil du handwerklich tätig bist, kann auch eine Unfallversicherung sinnvoll sein. Denn Selbständige sind nicht automatisch über die Berufsgenossenschaft versichert, sondern müssen sich selbst um ihre Absicherung kümmern.

Zusätzlicher Handyvertrag

Ich halte es für sehr sinnvoll, berufliche und private Kommunikation zu trennen. Auch möchte ich auf Webseiten ungern meine private Handynummer angeben und diese auch nicht unbedingt mit jedem Geschäftskontakt teilen.

Handyverträge mit Telefonflatrate gibt es bereits ab etwa 5€/Monat und ein altes Handy liegt bei vielen auch noch irgendwo in der Schublade.

Zusammenfassung

Sich nebenberuflich selbständig zu machen und einfach eine Geschäftsidee auszuprobieren, ist glücklicherweise nur mit geringen Kosten verbunden.

Rund 50€ sind für die Gewerbeanmeldung fällig und etwa 100€ pro Jahr für eine Buchhaltungssoftware. Außerdem geht ein Teil der Einnahmen über die Einkommensteuer an den Staat.
Mit diesen Kosten kann es losgehen. Zusätzliche Kosten entstehen, wenn du dein Business ausbaust.

Letztendlich sind die Kosten kein Grund, eine Geschäftsidee nicht auszuprobieren. Eher ist es die Zeit, die man investieren muss, um sich mit all den Verwaltungsvorgängen auseinanderzusetzen.

Letztendlich handelt es sich dabei um eine einmalige Investition, da sich Vorgänge wie Steuererklärung etc. immer wiederholen. Hat man diese Hürde einmal genommen, kann man sich voll und ganz seinem Business widmen.

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