Aktualisiert am 22. September 2022

Um die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr. oder schlicht Ust-ID) ranken sich viele Gerüchte. Insbesondere was die Kombination mit der Kleinunternehmerregelung angeht.

In diesem Beitrag erfährst du, was die Vor- und Nachteile einer Ust-ID für Kleinunternehmer.

Passend für dein Business Werbung
Leitfaden in die Selbstständigkeit
Gründung, Buchführung, Gewinnermittlung, Steuern

Wie du in 7 einfachen Schritten ein digitales Produkt erstellst und verkaufst

Dieser Beitrag enthält das Ergebnis meiner Recherchen und natürlich meine eigenen Erfahrungen mit meinem Kleingewerbe. Doch die Rechtslage kann sich ändern. Im Zweifel solltest du unklare Fragen daher mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater oder Steuerberaterin klären.

Was ist die USt-IdNr?

Die USt-IdNr. ist eine eindeutige Steuernummer im Bereich der Umsatzsteuer für EU-Unternehmen. Sie dient der Abwicklung von Leistungen innerhalb der EU.

Du benötigst also eine USt-IdNr. wenn du Leistungen an andere Unternehmen innerhalb der EU erbringst oder in Anspruch nimmst. Doch Vorsicht: Bei der Inanspruchnahme von Leistungen von Unternehmen in einem anderen EU-Land unter Angabe der USt-IdNr. lauert eine Falle für Kleinunternehmer. Siehe Kapitel „Vorsicht Falle: Reverse Charge“.

Umsatzsteuer-ID Kleingewerbe vs. Kleinunternehmer

Die Begriffe Kleinunternehmer und Kleingewerbe werden häufig synonym verwendet, oder einfach durcheinander geworfen. Allerdings handelt es sich um komplett unterschiedliche Dinge. Dementsprechend unterschiedlich sind auch beide in Hinblick auf die Ust-ID zu betrachten.

Kleingewerbe und Kleinunternehmer ist nicht dasselbe. Kleinunternehmer und Kleingewerbe sind zwei unterschiedliche Dinge.

Als Kleingewerbe wird in der Regel ein Gewerbe bezeichnet, dass sich aufgrund der Größe oder Tätigkeit nicht im Handelsregister eintragen muss und nicht den strengen Vorschriften des HGB unterworfen ist. Ein Kleingewerbe ist also ein Gewerbe, dass aufgrund seiner geringen Größe nicht denselben strengen Bestimmungen unterwerfen muss wie ein großes Unternehmen.

Kleinunternehmer können nicht nur Gewerbetreibende sondern auch Freiberufler sein. Kleinunternehmer sind Unternehmer und Unternehmerinnen, welche die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz (UStG) in Anspruch nehmen. Dies kann man freiwillig tun, wenn der jährliche Umsatz unter 22.000€/Jahr liegt. Damit einher gehen bürokratische Erleichterungen die die Umsatzsteuer betreffend.

Ein Kleingewerbe kann also auch Kleinunternehmer sein, wenn der Umsatz unter 22.000 Euro/Jahr liegt und die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen wird.
Ein Kleinunternehmer ist aber nicht zwingend ein Kleingewerbe, da auch Freiberufler die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen können.

Für ein Kleingewerbe das nicht Kleinunternehmer ist, gelten keine Erleichterungen die die Umsatzsteuer betreffen. Somit ist bezüglich der Umsatzsteuer ID bei Kleingewerbe keine Besonderheit zu beachten. Das Ausstellen der ID ermöglicht lediglich die geschäftliche Teilnahme am europäischen Dienstleitungs- und Warenverkehr.

Wie beantragt man eine USt-IdNr?

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie du zu einer USt-IdNr. kommst.

  • Bei Gründung deines Unternehmens. Wenn du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllst, kannst du einen Haken setzten, dass du eine Umsatzsteueridentifikationsnummer benötigst. Du erhältst dann automatisch ein Schreiben des Bundeszentralamtes für Steuern mit deiner ID.
  • Nachträglich. Wenn du bei Gründung des Unternehmens keine USt-IdNr. beantragt hast, kannst du dies nachträglich direkt beim Bundeszentralamt für Steuern erledigen. Die Beantragung ist kostenlos und kann online oder schriftlich erfolgen.

Können Kleinunternehmer/-innen eine USt-IdNr beantragen?

Ganz klar: Ja. Ich habe bei meiner Gründung ebenfalls die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen und eine Ust-IdNr. beantragt.

Es ist ein häufiger Irrtum, dass Kleinunternehmer keine Umsatzsteueridentifikationsnummer beantragen können, da sie ja normalerweise keine Umsatzsteuer abführen. Die Nummer ist jedoch für den Innergemeinschaftlichen Waren- und Dienstleistungsverkehr gedacht und daran dürfen auch Kleinunternehmer teilnehmen.

Werde ich durch eine USt-IdNr. Umsatzsteuerpflichtig?

Ganz klar: Nein. Nur weil du als Kleinunternehmer eine Ust-IdNr. besitzt, wirst du nicht umsatzsteuerpflichtig und musst auch nicht automatisch eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben. Durch die Ust-ID wirst du als Kleinunternehmer nicht umsatzsteuerpflichtig.

Wenn du weiterhin nur innerhalb Deutschlands Geschäfte machst und dich dabei auf die Kleinunternehmerregelung berufst, ändert sich durch die Zuteilung einer Ust-IdNr. gar nichts.

Allerdings kann dich das Finanzamt auch als Kleinunternehmer dazu auffordern, monatliche oder quartalsweise Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben. Dies kann insbesondere dann passieren, wenn du aufgrund von Reverse-Charge-Fällen (als Kunde) trotz Kleinunternehmerregelung Umsatzsteuerpflichtig wirst.

Vorsicht Falle: Reverse Charge

Es eine Falle, durch die du als Kleinunternehmer doch umsatzsteuerpflichtig werden kannst. Und zwar, wenn du Leistungen eines anderen Unternehmens in der EU in Anspruch nimmst, deine Ust-IdNr. angibst und von diesem Unternehmen eine Netto-Rechnung mit Hinweis auf die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft erhältst.

Dann kommst du tatsächlich in die Situation, dass du hierfür Umsatzsteuer abführen musst, dir andererseits jedoch keine Vorsteuer abziehen darfst (da Kleinunternehmer). Das kann dir z.B. passieren, wenn du als Kleinunternehmer Werbung bei Facebook oder Google schaltest, die beide ihren Europa-Sitz in Irland haben.

Kauf von Waren und Dienstleistungen in der EU als Kleinunternehmer

Steuerlich gesehen ist es für dich als Kleinunternehmer oder Kleinunternehmerin am einfachsten, wenn du nur bei Unternehmen einkaufst, die ihren Sitz in Deutschland haben.

Wenn du jedoch Waren oder Dienstleistungen von einem anderen Unternehmen im EU-Ausland kaufst, dann solltest du deine Ust-IdNr. nicht angeben. In diesem Fall wirst du wie eine Privatperson behandelt und bekommst eine Rechnung mit ausländischer Umsatzsteuer, die das Unternehmen in seinem Heimatland abführt.

Dies ist bis zu einem Gesamtbetrag von 12.500€ pro Jahr für solche Einkäufe sogar vom Gesetzgeber so vorgesehen. Es handelt sich dabei um die sogenannte Erwerbsschwelle oder Erwerbsschwellenregelung (§ 1a Abs. 3 UStG), wodurch unnötige Bürokratie vermieden werden soll.

Kaufst du jedoch für mehr als 12.500€ pro Jahr bei EU-Unternehmen, dann hast du keine Wahl und wirst auch als Kleinunternehmer/-in für diese Einkäufe Umsatzsteuerpflichtig.

Verliere ich durch eine USt-IdNr. meinen Kleinunternehmerstatus?

Nein. Die USt-IdNr. wird für Geschäfte innerhalb der EU benötigt und hat nichts mit dem Kleinunternehmerstatus in Deutschland zu tun. Durch die Ust-ID verlierst du deinen Kleinunternehmerstatus nicht.

Vorteile einer USt-IdNr. für Kleinunternehmer/-innen

Auch wenn du in Deutschland die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst, hat die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer Vorteile für dich.

  • Du kannst die USt-IdNr. auf deinen Rechnungen angeben, anstatt der persönlichen Steuernummer. Im Gegensatz zu deiner Steuernummer lassen sich mit der Umsatzsteuer-ID keine vertraulichen Informationen über Steuerpflichtige auskundschaften.
  • Außerdem hast du jederzeit die Möglichkeit Dienstleistungen im europäischen Ausland zu erbringen, ohne im Ernstfall erst wochenlang auf die Ausstellung der Nummer warten zu müssen.
  • Gerade wenn du eine Webseite betreibst und Google Werbung einbinden möchtest, am Amazon-Partnerprogramm teilnehmen oder deinen Youtube-Kanal monetarisieren möchtest, hast du es mit Unternehmen im europäischen Ausland zu tun. Auch wenn diese Unternehmen sich nicht für deine Rechnung interessieren (und dir auch keine Gutschrift erstellen), solltest du doch eine Rechnung erstellen und verbuchen (keine Buchung ohne Beleg). Und auf diese Rechnung gehört die USt-IdNr. Diese Einnnahmemöglichkeiten stehen dir also erst offen, wenn du eine eigene USt-IdNr. hast.
  • Als Einzelunternehmen bist du normalerweise nicht in das Handelsregister eingetragen und hast keinen Firmenname. Mit einer USt-IdNr. im Impressum deiner Webseite machst du trotzdem deutlich, dass du ein Unternehmen betreibst.

USt-IdNr. im Impressum deiner Webseite angeben

Achtung: Während die persönliche Steuernummer nichts im Impressum deiner Webseite zu suchen hat, ist die USt-IdNr. eine Pflichtangabe im Impressum (§5 Telemediengesetz).

Fazit USt-IdNr. und Kleinunternehmerregelung

Auch wenn du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst hat die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer einige Vorteile. Im Gegesatz zu vielen Gerüchten die sich hartnäckig halten, verlierst du deinen Kleinunternehmerstatus durch die USt-IdNr. nicht und musst auch nicht automatisch eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben.

Selbst wenn du keine Geschäfte mit Unternehmen im EU-Ausland machst, hast du den Vorteil dass du die USt-IdNr. auf deinen Rechnungen angeben kannst und nicht mehr die persönliche Steuernummer angeben musst.

Anzeige:

Kurz: Eine USt-IdNr. bietet einige Vorteile ohne dass dir dadurch Nachteile entstehen.

Am besten beantragst du die eigene Umsatzsteuer-Identifikationsnummer daher direkt bei Gründung deines Unternehmens.

2 Comments

  1. Vielen Dank für den sehr informativen Artikel!

    Ich habe eine Frage zum Reverse-Charge-Fall für Amazon Partnernet (in Luxemburg) als Kleinunternehmer ohne USt.-Pflicht.

    a) Auf die Rechnung muss auf jeden Fall die USt.-ID, da grenzübergreifender Handel, korrekt?
    b) Sorgt das Reverse-Charge-Verfahren dann zwingend dafür, dass USt. abgeführt werden muss? Oder betrifft das nur den Fall, wenn der Anbieter selbst einen Beleg ausstellt, der darauf verweist? Im Falle des PartnerNets stellt man ja selbst eine Rechnung.

    • Avatar-Foto

      Hallo David,
      Amazon hat zum Thema Rechnungsstellung einen Beitrag in der FAQ:
      https://partnernet.amazon.de/help/node/topic/GMF6YYSRPV4U44AL
      Es gehören beide USt-IdNr. auf die Rechnung, sowohl deine, als auch die von Amazon sowie der Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren.
      Die Umsatzsteuer wird von Amazon in Irland abgeführt, in der Auszahlung ist keine Umsatzsteuer enthalten. Du musst dafür in Deutschland keine Umsatzsteuer abführen.
      Der Kleinunternehmerstatus ist ja eine rein deutsche Regelung und ändert daher in diesem Fall nichts.

Schreibe einen Kommentar

Kommentieren ist ohne Angabe personenbezogener Daten möglich.